Mit dem Zug quer durch Afrika

Nachdem ich Anfang Januar von der Südafrika Reise zurückkam, ging es nach einer Stippvisite von drei Tagen bei Ndamona schon wieder auf die nächste Reise. Diesmal jedoch nicht in den Süden Afrikas, sondern in den Nord-Osten, nämlich nach Tansania. Dort fand unser Zwischenseminar der Stiftung statt. 

Und so packte ich meinen Rucksack erst gar nicht aus und die Reise von 4400 Kilometern begann. Zunächst ging es mit dem Taxi nach Ondangwa, von wo unser Bus abfahren und uns bis nach Katima Mulilo, an die Grenze zu Sambia, bringen sollte. Da es generell kaum Busuntermehmen gibt die dorthin fahren, waren wir wirklich froh von dieser erfahren zu haben. Jedoch saßen wir dann auch eine halbe Stunde nach Abfahrtszeit nur zu sechst in diesem Bus. Die Schlussfolgerung des Busunternehmens war, dass dieser Bus nicht fahren wird. Zum Glück ergab sich dann doch noch eine Alternative, wer weiß wie und wann wir sonst losgekommen wären. Und so sind wir erst ca 300km Richtung in den Süden von Namibia gefahren, obwohl wir eigentlich in den Osten mussten. An einer Tankstelle in Otavi wurden wir schließlich rausgelassen, haben zwei Stunden gewartet und dann kam ein anderer Bus aus Windhoek, der uns mit nach Katima Mulilo genommen hat. Diese Tankstelle sollte dann auch unsere letzte richtige (Pippi-) Pause für die nächsten 17 Stunden sein. Die Busfahrt von dort bis an die Grenze war unerwartet angenehm, unser Reisebus war total modern, wohingegen der erste Bus ungewöhnlicherweise dreier Sitzreihen hatte auf dessen Sitzen man besser zu zweit hätte sitzen können.

In Katima Mulilo angekommen, sind wir mit einem Taxi direkt weiter zur Grenze gefahren, wo wir erst ins Office der namibianischen Grenzbehörden mussten und darauffolgend bei den sambischen Behörden ohne weitere Probleme ein Visum bekommen haben. Ein kleiner Gesundheitscheck war inklusive, bei dem die Temperatur gemessen wurde. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das eher noch ein wenig belächelt, da auch der Mitarbeiter selbst nicht sehr interessiert schien und uns einfach ein Stück Pappe als Bestätigung für die Visa Beamten gegeben hat, dass wir gesund sind. Mit unserem Stempel im Reisepass wurde nun das Taxi gewechselt, unsere Sachen umgepackt und eingestiegen. Denn die Taxifahrer müssten jeweils zahlen um selbst über die Grenze zu fahren. Zum Glück hatte Moritz daran gedacht genug namibianische Dollar zum Wechseln mitzunehmen, sodass wir hinter der Grenzschranke durchs Fenster mit irgendeinem Mann Geld gewechselt haben, irgendwie eine komische Situation. Der Wechselkurs war natürlich total schlecht, sodass wir mit den Kwatscha (sambische Währung) die wir bekamen gerade so die Ticktes für den nächsten Bus zahlen konnten. Wir hatten nämlich das Glück so früh an der Grenze angekommen zu sein, dass wir direkt mit einem anderen Bus weiter nach Lusaka (Hauptstadt von Sambia) fahren konnten, und das für weitere 13 Stunden. In dieser Zeit haben wir dann die insgesamt zweite Pause in den knapp 32 Stunden Busfahrt gemacht. Als ich vorne im Bus das Schild „Bitte die Sicherheitsgurte benutzen und anschnallen“ sah, war ich kurz verwirrt. Ich bin also in Sambia und sitze trotzdem in einem deutschen Bus? Schon ein bisschen skurril.

Die ersten vier Stunden dieser Busfahrt waren sehr abenteuerlich. Eine entlos scheinende Straße war nämlich eigentlich gar keine Straße, sondern es waren einfach ganz viele mit Regenwasser und Matsch gefüllte Löcher und ein bisschen Teer hier und da. Wir wurden mächtig durchgeschüttelt, nicht selten erhob man unfreiwillig von seiner Sitzfläche, die Knie schlugen an den Vordersitz oder der Kopf bewegte sich unkontrolliert in alle Himmelsrichtungen. Unter den Reisenden waren Moritz und ich die einzigen Weißen und so dachte ich zunächst, dass ich mir wegen des zügigen Tempos des Busfahrers vielleicht doch keine Sorgen machen muss, wenn auch die Einheimischen, die die Strecke schon kannten, nichts dazu sagten. Aber als nicht nur ich die anderen, sondern die anderen auch mich mit besorgten Blicken anschauten, war ich schon etwas beunruhigt. Umso erleichterter wurde ich, als  eine ältere Dame einmal laut zum Busfahrer rief und sich beschwerte. Die nächsten zwei Stunden wurde zwar langsamer gefahren, aber das hat einem Mitreisenden dann auch nicht mehr geholfen. Denn dieser hat das Geschaukel nicht all so gut vertragen und so mussten wir regelmäßig Pausen einlegen, da das alles etwas viel für seinen Bauch wurde.

Trotz alledem blieb zu einem späteren Zeitpunkt noch genug Zeit sich die Landschaft etwas genauer anzusehen. Und obwohl man ja gar nicht weit von Namibia entfernt war, sah alles ganz anders aus. Es war total grün, viele Felder standen unter Wasser, ab und zu sah man traditionelle Häuser oder Stände, an denen Obst und Gemüse verkauft wurde.

Um halb neun Uhr abends kamen wir nun endlich in Lusaka an. Und wir hatten wirklich Glück, dass wir schon ganz in der Nähe von Lusaka waren, als die Dämmerung einsetzte. In Sambia ist es nämlich so, dass im Dunkeln keine Busse mehr fahren. Sie halten dann einfach am Straßenrand an und warten bis zum Sonnenaufgang am nächsten Tag bis sie die Reise fortfahren. 

Im Bus hatte kurz vorher eine junge Studentin mitbekommen, wo wir hin wollten und hatte netterweise angeboten uns mitzunehmen. Aus dem Bus ausgestiegen, den etlichen Taxifahrern entkommen und mit unserem Gepäck in den Händen mussten wir nun noch ca 200 Meter bis zum Auto gehen. Doch diese Entfernung hat dem Platzregen, der genau dann einsetzte als wir losgingen, gereicht um uns und unser Gepäck völlig durchzuweichen. Am Ende des Tages sind wir dann aber dennoch gut in einem Hostel angekommen, in dem wir drei Nächte blieben.

Die Tage in Lusaka haben wir genutzt um uns das Zugticket zu reservieren, das Busticket nach Kapiri Mposhi (dort ist der Bahnhof) zu kaufen und uns ein Fieberthermometer plus einen Malariatester zu zulegen. Denn wir befanden uns nun richtig im Malariagebiet, jedoch haben wir beide keine Profelaxe genommen. Und toi, toi, toi, bis jetzt hatte ich auch noch keine Anzeichen von Malaria. Außerdem haben wir uns mit genug Wasser und Verpflegung eingedeckt, da man bei dem Zug nie genau weiß wie lange dieser unterwegs ist. 

Generell gibt es zwei verschiedene Züge, die immer zwischen Kapiri Mposhi (Sambia) und Dar es Salaam (Tansania) hin und her fahren und zu der TAZARA Railway gehören. Der „Express Train“ braucht, wie der Name schon sagt, nicht so lange wie der „Ordinary Train“ , da genau dieser an jedem noch so kleinen Bahnhof oder auch neben den kleinen Dörfchen Halt macht. Dieser Zug stellt für viele Bewohner dieser kleinen Dörfer mitten im Nirgendwo nämlich die einzige Möglichkeit dar, andere Orte zu erreichen und somit Dinge einzukaufen. Auch ist der „Ordinary Train“ älter als der „Express Train“ und sollte eigentlich schon längst ausgetauscht werden, jedoch wird dies vermutlich erst dann passieren, wenn dieser endgültig in seine Einzelteile zerfällt. Der „Express Train“ fährt jeden Dienstag von Kapiri Mposhi ab und an den Freitagen von Dar es Salaam zurück und der „Ordinary Train“ fährt freitags aus Kapiri Mposhi ab und dienstags aus Dar es Salaam zurück nach Sambia. Da wir es zeitlich nicht geschafft hätten den „Express Train“ noch zu erwischen, fuhren wir also am Freitag mit dem „Ordinary Train“ los. 

Um 5:30 Uhr klingelte der Wecker, da unser Bus nach Kapiri Mposhi früh abfuhr, damit wir gegen 12 Uhr am Bahnhof ankommen würden. Der Zug sollte nämlich um 14 Uhr abfahren. Am Bahnhofsgebäude angekommen, gingen wir zum Schalter und bezahlten. Die Dame sagste uns dann, dass der Zug etwas Verspätung hätte und erst gegen Mitternacht abfahren würde. Das hieß nun also 12 Stunden warten. Mein Gefühl für die Zeit hat sich durch die Zeit in Namibia, aber auch durch das viele Reisen rückblickend sehr entspannt. So kommen mir nun neun Stunden von Windhoek bis zu mir in den Norden oder auch diese 12 Stunden warten gar nicht mehr so lange vor. 

Moritz und ich hatten Tickets für die erste Klasse gekauft. Das bedeutet, dass man statt in einer sechser Kabine (zweite Klasse) oder ganz normalen Sitzplätzen (dritte Klasse) in einer vierer Kabine ist. Wir hatten alle vier Betten in einer dieser Kabinen bezahlt, sodass wir nur zu zweit in dieser waren. Zwei junge Polen, die wohl auch von diesem Tipp gehört hatten, haben das genauso gemacht. Im Nachhinein kann ich das wirklich empfehlen. Denn es hat den Vorteil, dass man schlicht ein bisschen mehr Platz in der kleinen Kabine hat und auch seine Wertsachen etwas sicherer weiß. Denn es soll auch schon oft vorgekommen sein, dass Reisende nur dem aus dem Zug stiegen, was sie gerade anhatten. Und das wollten wir natürlich möglichst vermeiden.

Da wir also Tickets für die erste Klasse hatte, durften wir in eine VIP Lounge im Bahnhofsgebäude. Zunächst fanden wir das etwas komisch. In dem Bahnhofsgebäude saßen mit uns auch einheimische Reisende und dann fühlte es sich ein bisschen so an, als dürften die Europäer natürlich in die VIP Lounge. Aber am Ende des Tages waren wir dann auch dort mit vielen Einheimischen und doch ganz froh darüber, da wir zwar auf wahrscheinlich 40 Jahre alten Sesseln saßen, aber immerhin Sessel. Doch auch die VIP Lounge hielt dem Wetter nicht so ganz stand. So regnete es durch die undichten oder nicht existenten Fenster oder es tropfte von der Decke auf die Sessel. Ich hatte mich schon über die vielen Flecken gewundert.

Gegen 23 Uhr war der Zug dann endlich dort, wir konnten einsteigen und sind dann auch schon bald ins Bett. Nun darfst du dir aber bitte kein richtiges Bett vorstellen, denn in dem Zug handelt es sich da um eine recht harte, schmale Liegefläche. Ein Vorzug der ersten Klasse ist dabei aber, dass man neben eines Bettlaken auch noch ein Kissen mit Bezug und Wolldecken bekommt. Wobei ich bei den Wolldecken sehr vorsichtig war, weil diese vermutlich eher selten gewaschen oder ausgetauscht werden. Umso glücklicher war ich über meinen eigenen mitgenommenen Schlafsack.

Die Tage im Zug haben wir dann gar nicht so viel Spannendes gemacht. Zum Frühstück haben wir immer unser mitgebrachtes Toast mit Peanut butter gegessen und die Aussicht auf ganz viel grüne und schöne Natur genossen. Ich habe gelesen, geschrieben und Musik gehört. Mit den zwei Polen haben wir uns ein paar mal zusammen in den Esswagon gesetzt und haben mit selbstgebastelten Spielkarten Herz gespielt und parallel Reis mit Hähnchen, Reis mit Gemüse, oder Pommes mit Hähnchen oder Gemüse gegessen.

Eine Variante

Neben dem Esswagon gibt es sogar noch eine Bar, die stets gut gefüllt war. Und auch der Amerikaner, den wir anfangs am Bahnhof in Kapiri Mposhi kennenlernten, war dort ein treuer Gast. Unter allen Mitreisenden waren wir fünf übrigens die einzigen Europäer/Amerikaner.

Auch gibt es in dem Zug Klos, einen kleinen Raum mit Waschbecken und Duschen. Die Klos kann man sich wirklich vorstellen wie ein Loch im Boden mit ein bisschen Keramik außenrum. Und an dieser Stelle möchte ich einmal sagen, dass es die Frauenwelt wirklich nicht immer leicht hat. Diese Toiletten sind nämlich nicht Geschlechter getrennt, sondern Männer wie Frauen nutzen ein und die selbe Toilette. Und eigentlich habe ich ja auch gar nichts dagegen, wenn Männer sich nicht hinsetzten, wenn die Blase mal drückt. Aber da der Zug durchaus sehr wackelt, landet auch eben nicht wenig neben dem Toilettenrand, wenn man selbst einen Sicherheitsabstand von 1,5m einnimmt. Und das ist dann für uns Frauen umso unangenehmer, da wir dem ganzen nunmal etwas näher kommen müssen. Während der 62 Stunden Zugfahrt habe ich demnach auch fast eine ganze Tube Desinfektionsmittel verbraucht.  (Sorry, falls das für jemanden eine zu detaillierte Schilderung war.)

Hier ein Bild von den Gängen im Zug. Zu den Toiletten wollte ich mein Handy lieber nicht mitnehmen

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir dann die Grenze zu Tansania überquert. Aufgewacht sind wir durch einen Typen, der im Gang auf und ab ging und immer wieder „money change, money change“ durch die Flure rief. Zunächst waren wir uns unsicher. Der will uns doch bestimmt genau wie der Mann an der sambischen Grenze abziehen, oder? Aber letzendlich war der Wechselkurs gar nicht schlecht und so hatten wir für unsere weitere Reise schon mal ein paar tansanische Schilling im Portemonnaie. Danach kam ein anderer Mann, der Sim Karten verkaufte. Obwohl wir wussten, dass das nicht so ganz legal ist, haben wir uns jeweils eine gekauft, die auf irgendeinen tansanischen Namen registriert war und fortan bekamen wir irgendwelche SMS aus swahili zugeschickt. Als drittes kamen die namibianischen Grenzbehörden und gaben uns einen Ausreise Stempel und zu guter letzt setzten sich dann noch die tansanischen Grenzbeamten zu uns ans Bett, schauten sich unseren Reisepass an, nahmen diesen inklusive von 50 US Dollar mit und gingen weg. Nach einigen Minuten erschienen sie wieder, gaben uns die Reisepässe zurück und wir hatten unser Visum. Insgesamt hat das alles echt gut geklappt, wir mussten noch nicht einmal aufstehen und konnten danach einfach weiterschlafen.

Am Montag sind wir dann, mit einer Verspätung von einem Tag, endlich in Dar es Salaam angekommen. Das erste was mir beim Aussteigen auffiel, war die Hitze. Denn diese war ganz anders als in Namibia. Die Luftfeuchtigkeit ist viel höher und so schwitzt man auch, wenn man sich eigentlich gar nicht gewegt. Da wir die nächste Nacht bei einer Freiwilligen von Weltwerts übernachtet haben und dafür erst nochmal ca. 2 Stunden aus Dar es Salaam rausfahren mussten, fiel mir direkt noch ein großer Unterschied auf. Tansania ist viel trubeliger, voller, lauter. Vermutlich liegt das auch einfach daran, dass in Tansania rund 54 Millionen mehr Menschen auf einer nur 100.000km2 größeren Fläche als Namibia leben. In die Dalla Dallas (kleine Busse) quetschen sich so viele Leute rein wie es nur geht und an jedem Busbahnhof wird einem direkt irgendetwas zum Kauf vor die Fensterscheibe gehalten. Andere Fortbewegungsmittel sind Picki Picki’s (Motorräder) oder auch Dreiräder. In Namibia bräuchte man schlicht diese ganzen öffentlichen Verkehrsmittel gar nicht. Hier reichen Taxis und Reisebusse für weitere Strecken völlig aus. Jedoch haben die öffentlichen Verkehrsmittel in Tansania den Vorteil, dass sie deutlich billiger sind.

Nachdem wir also noch eine Nacht in der Nähe von Dar es Salaam schlafen konnten, ging es am nächsten Morgen auf einem Picki Picki mit Reiserucksack, kleinem Rucksack und Beutel zum Busbahnhof, von wo wir weitere acht Stunden Bus bis nach Moshi gefahren sind. Dort haben wir dann Mareike, Eileen und Noel endlich wiedergesehen. 

Und damit hatte unsere neuntägige Anreise nach Tansania ein Ende und 1 ½ intensive, super schöne und lustige Wochen mit den anderen Stiftlingen begannen. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s