Churo carnaval chapaco

Wie auch in Deutschland, ist gerade in Bolivien auch Karnevalszeit. Nur, dass diese sich nicht auf ein oder zwei Wochenenden beschränkt, sondern gleich den ganzen Februar lang dauert. So groß und bunt wie in Rio ist der Karneval natürlich nicht. Trotzdem besteht er hauptsächlich aus Gruppen, die tanzend durch die Stadt ziehen. In Bolivien ist eigentlich der Karneval von Oruro der größte, jedoch ist auch Tarija für seinen Karneval bekannt.

Begonnen hat das ganze am 1. Februar mit einem großen Einzug in die Stadt, der Cabalgata. Daran haben sämtliche Tanzgruppen der Stadt teilgenommen und mit ihrer typisch tarijenischen Kleidung die Straßen gefüllt. Abgeschlossen wurde der Umzugs schließlich von Reitern, die ebenfalls mit in die Stadt gezogen sind. Was beim bolivianischen Karneval auf keinen Fall fehlen darf, sind Coplas. Dabei handelt es sich um eine Art Gesang, bei dem man sich selber mit einer Caja (das ist eine Trommel) begleitet. Dazu wird das „Erque“ gespielt, eine Art Horn. Auch die waren bei diesem Einzug dabei.

An dem folgenden Samstag waren wir dann bei der Wahl der Karnevalskönigin. Dazu muss man jedoch sagen, dass es nicht nur eine gibt, sondern mehrere Kategorien für die es jeweils eine Königin gibt. Bei der Wahl hat immer ein Mädchen eine der Tanzgruppen vertreten. Sie hat dann in der für ihren Tanz typischen Kleidung vorgetanzt und eine Jury hat an diesem Abend letztendlich eine Königin für drei verschiedene Kategorien (folklórico, regional und autóctono) ausgewählt, es gibt aber noch weitere Kategorien.

Ebenfalls typisch für den Karneval hier sind die beiden folgenden Donnerstage, der „Jueves de Compadres“ und der „Jueves de Comadres“. Dies sind Tage, an denen die Freundschaft gefeiert wird. An dem ersten Donnerstag findet der „Jueves de Compadres“ gefeiert. Dabei treffen sich die Menschen auf einem der zentralen Plätze von Tarija und schenken sich gegenseitig sogenannte „Canaster“. Das sind Körbe, die eine Art Kuchen, Obst, Gemüse, Süßigkeiten und manchmal auch Bier beinhalten. Bei den Männern ist dabei normalerweise auch immer ein Kürbis enthalten. Zusätzlich werden die Körbe noch mit Luftschlangen, Luftballons, Blumen und Fähnchen geschmückt. An diesem ersten Donnerstag bekommen jedoch erstmal nur Männer so einen Korb. Dabei ist es jedoch egal, ob den eine Frau oder ein Mann verschenkt. Er ist ein Ausdruck der Freundschaft und nach der Tradition muss man der Person, von der man einen solchen Canaster bekommt im folgenden Jahr den gleichen Korb neu befüllen und zurück schenken. Von dem zentralen Platz gehen dann alle weiter zum „Campo de Compadres“ wo weiter gefeiert und getrunken wird. Ein bisschen lässt sich der folgende Verlauf des Tages mit Vatertag in Deutschland vergleichen.

So sieht der fertige Canaster dann aus
An den beiden Donnerstagen sah der zentrale Markt so aus, überall konnte man die Dinge für den Canaster kaufen

Danach kommt der „Jueves de Comadres“. Dessen Verlauf ist zunächst ähnlich wie vom „Jueves de Compadres“. Auch an diesem Tag werden wieder „Canaster“ verschenkt, diesmal halt nur an die Frauen. Außerdem beinhaltet der Canaster für die Frauen keinen Kürbis, sondern eine Gurke. Am Abend findet dann eine große Parade statt, bei der alle regionalen Tanzgruppen teilnehmen. Auch Emilia, Almuth und ich haben an dieser Parade teilgenommen. Emilia und ich hatten uns dazu entschlossen, bei einer Tanzgruppe, den „Bandeñitas de Liliana Poita“ mitzutanzen. Und so kam es, dass wir seit Anfang Februar jeden Tag von Montag bis Freitag für circa drei Stunden zum Training gegangen sind. Am Donnerstag haben wir dann eben auch an der Parade teilgenommen, die zeitgleich ein Wettbewerb ist. Bei diesem wird an Kostüm, Choreografie und den Tänzerinnen gemessen die beste Tanzgruppe ausgewählt.

Am Rosenmontag, hier „Lunes de Barras“ genannt, haben sich die Menschen aus Tarija mittags auf einem der großen Plätze getroffen. Mit viel Musik, Wasser, Schaum und gutem Wetter wurde dort gefeiert und getanzt. Am Nachmittag ging es dann für viele (auch für uns) zu einer anderen Party. So wie auch zwischen Weihnachten und Silvester gab es nämlich auch jetzt wieder ein Festival mit verschiedenen Partys, von denen wir auch eine besucht haben.

Gestern war dann der letzte große Tag des Karnevals. Es gab wieder eine Parade, die „Entrada de la integracion“. Die war aber deutlich länger, als die „Entrada de Comadres“, da dabei nicht nur Gruppen aus Tarija mitgemacht haben, sondern viele verschiedene Tänze getanzt wurden. So gab es auch Tänze aus den anderen Departementos, wie zum Beispiel Morenada oder Carporal. Auch wir haben wieder mitgetanzt.

Ab morgen fängt dann unser Nachmittagsprojekt wieder an und nach sehr langer Zeit sehen wir die Kinder wieder. Ich freue mich schon sehr darauf.

¡Hasta luego!