Rio? – mag sein … aber Tarija!

So sehen die Körbe aus, die sich zwei Comadres übergeben

Ich weiß. Wer trägt schon heut noch Trachten? Wer hört gerne Folkloremusik? Und tanzt dann noch Volkstänze? Das ist doch nicht cool. Sagen so manche Jugendliche in Deutschland. Doch das kann auch ganz anders sein…

Karneval, das ist nicht nur ein Tag, sondern circa ein Monat voller Feiern. Zurecht ist Südamerika also für seinen Karneval berühmt, der mitunter sogar eine wichtigere Stellung einnimmt als Weihnachten. Los ging es an einem Samstag, als Reiter und Tänzer aus den umliegenden Orten in die Stadt einzogen. Sie tanzten Cueca, Tarijas Volkstanz, und trugen tarijenische Trachten.

Die beiden darauffolgenden Donnerstage war Compadres und Comadres. Etwas vergleichbares kannte ich vorher noch nicht, am ehsten ähneln diese Feiern vielleicht Vater- und Muttertag. Jedoch werden zb an Comadres die Freundschaften zwischen Frauen gefeiert. Dazu überreicht man sich Körbe, gefüllt mit Kuchen, Gemüse, Luftschlagen und Luftballons. Es gibt außerdem viele Tanzwettbewerbe und Feiern auf den Straßen. So kam es, dass auch ich, in eine flotte tarijenische Tracht gekleidet, in die Stadt einzog.

In tarijenischen Trachten

Wasserschlachten sind definitiv nicht nur etwas für Kinder 🙂 Denn am „Lunes de Barras“ (Rosenmontag) trifft sich Tarija zum Feiern auf dem Plaza. Mit Wasserbomben und Schaumsprühern bewaffnet. Es gibt Musik, Tanz und viele nasse Attaken 🙂

Tanzgruppe beim Cuecatanzen.

Nicht schlecht überrascht war ich, als ich auf meiner Arbeitsstelle den Boden im gesamten Haus mit Rotweinflecken, Konfetti und Blumen bedeckt vorfand. Jetzt weiß ich, das bringt Glück und hält Schlechtes fern und ist eine Tradition des „Martes de Challa“.

Beim Carnaval in San Lorenzo. Mit der Trommel werden Gesänge begleitet.

Für mich war es neu zu erleben, wie auch Jugendliche die Tänze und traditionelle Kleidung ihrer Heimat „cool“ finden. Fragt mich wer, weshalb ich mich dafür vorher nicht interessiert habe, kann ich das nur schwer erklären. Vielleicht weil stolz auf seine Tradition zu sein, dazu führen kann, andere auszuschließen oder seine Bräche über ihre zu stellen. Doch es stimmt, so geht auch etwas von der Vielfalt an Kultur verloren. Tänze, die niemand mehr lernt, Lieder, die vergessen werden und Kleider, die keiner mehr trägt. Für mich gilt ab sofort: Tradition kann auch ziemlich cool sein, verbinden und Identität schaffen. Jedoch sollte sie nicht der Toleranz anderen Kulturen gegenüber im Weg stehen.

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