Moritz, der Reiseblogger

Eines steht fest, so viele Kilometer wie in den letzten zweieinhalb Monaten habe ich noch nie in einer solchen Zeit auf Land hinter mich gebracht:

Die Strecke von meiner Stelle in Namibia bis Lusaka (mit einem kleinen Umweg)
Die Strecke von Lusaka bis Dar es Salaam. Zurück sind wir dann geflogen.

Meine Zeit vom 27.11.2019 – 10.2.2020 kann man in verschiedene Abschnitte einteilen.

  1. Ferienanfang!! Und ich ziehe in die Schule?
  2. Ein Wochenende auf der Farm Finkenstein
  3. 10 Tage Touri in Kapstadt 
  4. Und wie genau kommen wir jetzt nach Port Elizabeth?
  5. 20.12.-25.12.(Weihnachten) in PE
  6. Ein Roadtrip nach Kapstadt
  7. Wieder in Kapstadt – diesmal mit einer deutschen Jugendreisegruppe?
  8. Die Namibia-Jungs fahren zurück nach Namibia.
  9. Spontan an die Küste? Spontan an die Küste!
  10. Eine weitere Episode von “Und wie genau kommen wir jetzt nach …” …Tansania?
  11. Tansania – Ankunft bis Zwischenseminar
  12. Zwischenseminar in Tansania.

Als ich angefangen habe, diese Einteilung zu schreiben habe ich nicht erwartet, dass ich am Ende zwölf Unterpunkte haben werde. Ich bin selbst ein wenig überrascht, das zeigt ja nur, wie viel in dieser Zeit wirklich geschehen ist. Diesen Bericht wird mit vielen, auch oft unnötigen, Details gefüllt werden. Wahrscheinlich so vielen, dass ich als Leser selbst genervt davon wäre, aber in ein paar Jahren kann ich ja möglicherweise über das eine oder andere Detail schmunzeln. Ich habe das Gefühl, das diese 2,5 Monate einzigartig in meinem Leben sein können und somit versuche ich diese Erinnerungen ein wenig festzuhalten. Eine Art Tagebuch kann man eventuell sagen, wer weiß vielleicht drucke ich diese Berichte sogar mal aus und klebe sie in ein Buch.

1. Ferienanfang! Und ich ziehe in die Schule?

Angefangen hat die Reise natürlich in meiner Einsatzstelle in Namibia. Ca. eine Woche vor den Ferien ist es endlich so weit und Mr Nekongo und Ich ziehen offiziell aus unserem Zimmer in Eehnana aus. Mit all unseren Sachen, einem Kühlschrank und einem Bett auf der Ladefläche von Nekongos Pick-Up fahren wir also in die Schule, ich mit viel Vorfreude darauf nun endlich richtig in der Schule zu leben. Ein vorteilhafter Nebeneffekt: Nach unserer “End-of-the-year” Party, am vorletzten Schultag, muss ich anschließend nur ein paar Meter gehen, bis ich bei meinem Bett bin. Dann sind auch schon schon offiziell Ferien, da die Präsidentschaftswahlen am Folgetag anstehen (über die ich ja im vorherigen Eintrag berichtet habe). Alle Lehrer verlassen gegen Mittag die Schule, die meisten Schüler haben die Schule bereits nach dem Erhalten ihrer Zeugnisse das Schulgelände hinter sich gelassen. In dem Glauben, ein Kollege würde mich am nächsten Tag aus der Schule rausfahren blieb ich noch in der Schule. Abends bekomme ich dann einen Anruf von eben diesem Lehrer, aufgrund des Regens ist er doch schon gefahren. Gut, dann bin ich eben ganz alleine in der Schule. Das bedeutet, ich kann überall oberkörperfrei rumlaufen und dazu noch meine Musikbox (die übrigens meine beste Investition fürs Auslandsjahr war) mitführen. Irgendwann entdecke ich noch den Sicherheitsmann unserer Schule und er schließt uns einen Raum eines Lehrers mit Fernsehr auf und wir gucken Fußball, irgendwann kommen auch noch Freunde von ihm und wir gucken zusammen Fußball. Fest steht: Ihm werde ich meinen Raumschlüssel nicht anvertrauen.

Das (fast) alleine sein in der Schule war ja schon interessant, aber das richtige Abenteuer geht erst am nächsten Morgen los. Wie komme ich jetzt von der Schule weg? Mit meinen zwei Taschen stampfe ich also aus der Schule los, in der Hoffnung irgendjemanden zu finden, der mich zur asphaltierten Straße bringen kann. Und tatsächlich werde ich direkt vom ersten vorbeifahrenden Auto mitgenommen, er muss wohl bei meinem Anblick Mitleid bekommen haben. Schließlich liegen zwischen dem Losgehen aus der Schule und dem ersten vorbeifahrenden Auto ca. 90 Minuten und 4 km Weg, was sich der Hitze entsprechend als Schweißflecken auf meinem T-Shirt ausdrückt.

Schon mal vorausgreifend auf die späteren Abenteuer kann ich das Fazit ziehen, dass mich jetzt beim Reisen nichts mehr beunruhigt und ich immer fest davon überzeugt bin, immer irgendwie irgendwo anzukommen. 

2. Ein Wochenende auf der Farm Finkenstein

Eine Übernachtung bei Greta und Ndamona und eine Übernachtung im Reisebus später befinden wir uns mal wieder in Windhoek. Vor der Weiterreise nach Kapstadt verbringen wir ein paar Tage bei der Familie Finke auf der Farm Finkenstein. Irgendwie hat das Beisammensein dort schon etwas familiäres, obwohl wir sie ja erst hier in Namibia kennengelernt haben. Einen Abend werden wir auch noch auf einen “Pizza-Braai” mitgenommen. Ein “Braai” ist in Namibia ist wie ein Grillen in Deutschland. Nur das hier kein Grill aufgestellt wurde, sondern eine mobile Pizzeria aufgebaut wird. So haben wir also einen schönen Abend mit leckerer Pizza, interessanten Personen und gutem Wein.

Zurückblickend kann ich mir keinen schöneren Anfang dieses Reisemonats vorstellen.

3. 10 Tage Touri in Kapstadt

Am nächsten Tag ist es nun so weit und für Greta und mich geht mit einem “Sleepliner” (ein sehr bequemer Reisebus mit viel Beinfreiheit) nach Kapstadt, 22 Stunden später waren wir dann dort. Komplikationen gab es fast keine. Greta und Ich haben nur beinahe das Aussteigen am Grenzübergang verschlafen und mussten vom Busfahrer aufgeweckt werden, als alle anderen bereits am Immigrationsschalter anstanden. Bei der Grenzüberquerung an sich gab es aber keine Probleme. Im Nachhinein hätte es mich interessiert, was passiert wäre, wenn wir einfach durchgeschlafen hätten und “unbemerkt” eingereist wären.

Nach den letzten zwei Monaten im Norden Namibias sind wir ziemlich beeindruckt, eigentlich eher überwältigt, von den Hochhäusern und generell dem ersten Eindruck von Kapstadt. 

Nur, was machen wir nun hier?

So ganz geplant haben wir unseren Aufenthalt noch nicht. So gehen die ersten paar Tage ins Land, in dem wir erstmal die Region um unser Appartment erkunden und uns einfach ein wenig entspannen. Diese Wohnung ist aber ein absoluter Traum, mit Terassenausblick (im 6.Stock) auf den Tafelberg, Spülmaschine, Backofen, warmen Wasser, WLAN und einem Sofa ist diese Wohnung ein ganz schöner Kontrast von unserer sonstigen Wohnsituation in Namibia. So gesehen haben wir nicht nur Urlaub von unserer Arbeit sondern in vieler Hinsicht auch “Urlaub” von den Lebensumständen in Namibia. So wie wir die Lebensstandarts in Kapstadt erleben, könnte es auch jede europäische oder amerikanische Großstadt sein. (Aufgrund des grundsetzlich verschiendenen Struktur der Gesellschaft, fällt mir ein “normaler” Vergleich zu westlichen Großstädten aber sehr schwer.) 

In dieses ersten Tagen treffen wir uns auch mit einer Freundin von mir, die sich momentan längerfristig in Kapstadt aufhält, und gehen zusammen zu einem Tattoostudio, das ihr empfohlen wurde. Für mich hat sich in den ersten Monaten in Namibia eine Idee für ein Tattoo herauskristallisiert, die ich auch umsetzen will. So bespreche ich diese Idee mit dem Tatooartist und zeige ihm meine Zeichnung. Jetzt kann ich von mir sagen, dass ich in Kapstadt tätowiert wurde (wofür ich natürlich auch mitbezahlt habe, deswegen muss ich dies hier auch erwähnen). 

Bevor ich aber tatsächlich das Tattoo bekomme, verbringen wir noch einen Nachmittag am Strand von Campsbay und ich muss meinen Körper glücklicherweise nicht vor Sonne schützen. Campsbay-beach wird immer mit Miami-beach verglichen, schön ist es definitiv. In Kapstadt geht man nur leider nicht zum Strand, um baden zu gehen, sondern, um am Strand zu sein. Irgendwie ist das eine unbefriedigende Erfahrung, zumal ich in Namibia ja auch schon genug Sand um mich herum habe, und so beschließe ich mich, doch mal ins Wasser zu gehen. Dieser Versuch dauert nicht viel länger als eine Minute und mein Körper kann sich wieder super daran erinnern, wie mein Highschool-Soccer-Coach uns damals dazu verpflichtete, ein Eisbad zu nehmen. Sprich, meine Wadenmuskeln ziehen sich zusammen und viel weiter als das Knie komme ich auch nicht ins Wasser.

Am Abend landen wir dann noch durch die Freundin bei irgendeinem Geburtstag von irgendwelchen uns Unbekannten, der auf einem Straßenfest zelebriert wird.

Das schöne deutsche Nikolausfest, am nächsten Tag verbringe ich fast ausschließlich im Bett und genieße habe die Vorzüge einer Klimaanlage. Die ersten Tage sind entgegen unserer Erwartung ziemlich heiß und auch recht windstill (für die Verhältnisse in Kapstadt).

Da ich aber nicht den ganzen Tag nur im Bett verbringen will, schaue ich im Internet nach irgendwelchen empfohlenen und besonderen Cafés in der Umgebung nach (die natürlich auch nicht allzu weit weg sein dürfen, schließlich habe ich mich noch nicht einmal aus dem Bett bewegt). Und tatsächlich finde ich ein Café, in einer angemessener Entfernung. Dieses Café erwähne ich nur, weil ich merke, dass ich alt werde. Ich dachte nach “empfohlenen und besonderen” Cafés guckt man erst, wenn man in seinen Wechseljahren ist. Nun ja, da ich ziemlich sicher dieses Stadium meines Lebens noch nicht erreicht habe, war das wohl nur eine fehlerhafte Annahme. Übrigens, der Grund, wieso ich mich bei der Recherche besonders für das “Truth-Café” interessiere ist, weil man dort den Kaffee mit Tierchenmuster drin serviert bekommt..…

(Ich als Käsekuchenliebhaber muss hier auch nochmal festhalten, dass der Käsekuchen sehr empfehlenswert ist. Er sieht zwar so aus, als ob man ihn ausm Kühlregal vom Supermarkt besorgt hat, ABER er ist mit Karamellfüllung….)

Das “Essen” in diesem Urlaub eine besondere Rolle spielt, beweist nicht nur eine selbstgemachte Lasagne oder in irgendwelchen Restaurants essen gehen (beides ist bei unseren Stellen im Norden Namibias nicht so ganz möglich), sondern auch, dass wir die “foodmarkets” Kapstadts erkunden. Das Konzept klingt dabei ja erstmal super, ganz viele verschiedene Stände bieten ganz verschiedenes Essen an und man kann auch oft um sonst etwas probieren. Nun weiß ich aber nicht, ob es schlau ist dort hungrig anzukommen. Einerseits genießt man mit großem Hunger den Anblick und Geruch von Falafel, Curry, Burgern, asiatischen Nudeln, Flammenkuchen, … umso mehr. Andererseits lastet dann auch der Druck auf einem DAS richtige Gericht auszuwählen. (Und ich tue mich schon immer schwer, beispielsweise in einem indischen Restaurant zu bestellen, das nur Curry und Reis verkauft. Ich bin normalerweise eine Person, die immer das bekannte Gericht bestellt, wo man sich sicher sein kann, das es schmeckt. Ich habe einfach zu viel Angst das ein neues Gericht schlechter sein könnte, als das, was ich mir sonst immer bestellen würde.)

Da stehe ich also nun. Burger, Paella, Flammenkuchen oder eine überteuerte Currywurst? Ich entscheide mich dann für ein italienisches Avocado-Bacon-Pesto Sandwich. Wieso ich mich dieses mal doch für etwas exotisches entscheide? Die Portionen der anderen Speisen sind kleiner und mir zu teuer…

Auf dem Weg zurück gehen wir durch das Viertel “Woodstock”. Erwartet habe ich irgendwie ein Hippieviertel, in dem es überall nach Gras riecht. Jetzt habe ich meine eigene Idee, wie das Viertel zu diesem Namen kommt. Beim Heruntergehen der Hauptstraße kommen wir häufig an Tischlereien vorbei, die zur Straße hin offen sind. “Retro” und “Vintage” Möbelier wird links und rechts von der Hauptstraße angefertigt, hauptsächlich aus Holz. Damit hätte man eine plausible Erklärung. Bleibt nur noch die Frage: Wer war früher da? Das Ei oder das Huhn? 

Da wir uns die ersten Tage ein wenig haben schleifen lassen beschließen wir jetzt endlich mal richtig die Stadt zu erkunden. Öffentlichen Nahverkehr gibt es so gut wie gar nicht ins Kapstadt, entweder man hat ein eigenes Auto, oder man bucht sich mithilfe der App “Uber” einen Fahrer, der einen abholt und ans gewünschte Ziel fährt. Für Touristen, wie uns, gibt es aber noch eine weitere Möglichkeit, die Stadt zu erkunden. Die roten Doppeldeckerbusse, die eigentlich in (natürlich gibt es eine Ausnahme) kein Stadtbild so richtig reinpassen, habe ich in europäischen Städten eigentlich immer aufgrund der Wucherpreise abgelehnt. (Meines Wissens so um die 50 Euro pro Person für ein Tagesticket.) Da wir dann uns glücklicherweise doch mal informieren was die Tickets für den “Hop-On-Hop-Off-Bus” so kosten, finden wir heraus, dass ein 2 Tagesticket nur ca. 25 Euro kostet. (Inklusive einer Route durch die Weingüter der Region, einer Route um den Tafelberg herum, einem Audioguide, einer Hafentour und einem Abendbus auf den Signal Hill um sich den Sonnenuntergang anzusehen.) Dieses Ticket wollen wir natürlich auch voll auskosten. So stehen wir früh morgens auf, holen unsere Tickets ab und bekommen zusätzlich noch die absolut schlechtesten Kopfhörer, die ich jemals benutzt habe. Obwohl die Soundqualität sehr sehr schlecht ist bekommt man doch durch den Audioguide viele interessante Infos noch nebenbei mit. Aber als richtige “Stiftlinge” ist unsere erste Station natürlich die Weintour. Ein Bus bringt uns zu verschiedenen Weingütern, dort können wir ein wenig frei herumlaufen oder eine Weinverkostung machen. 

Das erste Weingut “Groot Constantia” ist das älteste und größte Weingut der Region. ABER die Weinverkostung ist uns ziemlich unsympathisch, ein kahler Raum, viele Leute, eine Theke bei der man von einer Person seinen Wein ausgeschenkt bekommt und dazu noch ziemlich teuer. Da wir auch nicht dazu bereit sind zusätzlichen Eintritt für ein Museum über die Geschichte von Groot Constantia zu bezahlen (mich interessiert nur der Wein), geht es für uns also weiter zum nächsten Weingut “Eagles Nest”. Nach einem kleinen Erkundungsspaziergang wenden wir uns dann auch dem wesentlichen zu, der Weinverkostung. Für umgerechnet ca. 6 Euro bekommt man eine Kostprobe von 5 verschiedenen Weinen des Gutes. Dazu bestellen wir uns noch eine kleine Käse und Wurstauswahl (auf leerem Magen soll man bekanntlich ja nicht trinken). So sitzen wir also Mitten in der Natur, unter einem Sonnenschirm, auf einer Bank und bekommen nach und nach die verschiedenen Weine serviert. Genau, wir gehen nicht zu einer Theke und holen uns den Wein ab, wir sitzen draußen und ein “Kellner”/Weinexperte kommt zu uns, schenkt uns neuen Wein ein und erzählt uns ein paar Sätze zu diesem Wein. Also erstmal, was ist das bitte für ein Beruf, du schenkst den ganzen Tag Leuten ein kleinen Schluck Wein ein (wenn sie sympathisch sind wahrscheinlich auch mal ein wenig mehr) und laberst den ganzen Tag über Wein (Dabei genehmigst du dir wahrscheinlich auch ab und zu selbst mal ein Schluck). So viel zum Thema “Aus dem Hobby ein Beruf machen”…. 

Eigentlich bin ich ja eher ein Fan der Rotweine…

So langsam sehne ich mich aber zur dieser unpersönlichen Weinverkostung bei Groot Constantia. Dieser äußerst sympathische Kellner hält uns zu jedem Wein einen 5-minütigen Vortrag und fragt uns zusätzlich auch immer noch nach unserer eigenen Meinung, oder ob wir etwas schmecken, was man da schmecken soll. Tatsächlich schmecken wir auch viele dieser Beeren oder Gewürze von denen er uns erzählt, nur verstehen wir ca. 50% seiner Aussagen überhaupt nichts. Entweder blockieren englische Wein-Fachwörter der Verständnis oder einfach unsere fehlende Ahnung. Ich hätte wohl beim ersten Wein nicht irgendwas fachliches zum Geschmack sagen sollen, der Kellner geht wohl jetzt davon aus, wir haben Ahnung. Nach der Weinverkostung und den Gesprächen haben wir aber tatsächlich ein wenig mehr Ahnung und ich freue mich darauf, in Deutschland beim Real nach südafrikanischen Weinen aus der Region “Constantia” zu suchen und sagen zu können, dass ich schon mal an der Quelle dieser Weine war. Eventuell kann man ja sogar einen Wein von “Groot Constantia” oder “Eagles Nest” finden. Ihr könnt ja beim nächsten Einkauf mal selbst drauf achten ;D

Nun ist ja die Weintour nicht alles, was wir an heute vor uns haben. Die nächste Station ist das Township “Soweto”. So richtig sicher sind wir uns nicht, ob wir in einem Township als Touristen rumlaufen wollen. Ich meine dort leben die meisten Menschen nicht, weil sie wollen, sondern müssen. Und dann kommen Touristen um sich anzugucken, wie die Menschen da leben. Hat in meiner Ansicht ein wenig was von Menschenzoo. Als wir bei dem Busstop ankommen wollen wir aber trotzdem mal kurz aussteigen und dann eigentlich direkt in den nächsten Bus wieder einsteigen. Vor dem Aussteigen will uns der Busfahrer einen Guide vermitteln. Warte was? Einen Touristenführer wollen wir doch garnicht. “Ohne Guide ist es für euch nicht sicher genug, um hier auszusteigen.” Mit diesen Worten bleiben wir dann auch im Bus… Von den ganzen Touristen in diesem vollbepackten Touristenbus sind wir übrigens die einzigen, die beabsichtigt haben auszusteigen. 

Weiter geht es zu einem alten Fischerdorf mit Strand hinterm Tafelberg. Mehr hab ich zu der Etappe nicht zu sagen, die Fish and Chips waren nicht lecker. Ich hätte Kalamari nehmen sollen.

Die darauf folgende Fahrt zurück nach Kapstadt ist allerdings atemberaubend. Links von der Straße geht es runter zum mehr, rechts geht es hoch zu den Gipfeln der “12 Apostel” (die zum Tafelberg gehören (glaube ich)). Ein kleiner Funact zu den “12 Aposteln”: Vom Blickwinkel abhängig kann man entweder unter 12, oder über 12 Apostel zählen. Selten aber genau 12. Wieso man auf den Namen kam, weiß man bis heute nicht so ganz. 

Die „12“ Apostel
(Beim Anblick dieser schönen Strände bitte niemals vergessen, dass das Wasser TÖDLICH kalt ist.)

Die letzte Etappe an diesem Tag ist dann der Sonnenuntergang auf dem Signal Hill. Der Signal Hill ragt auf der einen Seite ein wenig über die Stadt, auf der anderen Seite hat man einen schönen Ausblick auf das Meer. Also eigentlich perfekt für einen Sonnenuntergang. Wären da nicht noch so ca. 200 andere Menschen, die dasselbe vorhaben wie wir. Wenn man sich aber ein wenig von der Menschenmasse entfernt und den Bergkamm zum “Lionshead” entlang geht hat man ein wenig seine Ruhe und kann sich aufs wesentliche konzentrieren, diesen schönen Moment durch die Linse der Kamera erleben und festhalten:

Camps Bay am Fuße des Lion’s Head
Der Stadtteil „Greenpoint“
Die Aussicht auf Kapstadt und den Tafelberg vom Signal Hill

(An dieser Stelle möchte ich ein Mal kurz Werbung für meine Instagram-Seite @moritzseinebilderstube machen, bei der ich viele solcher Bilder meiner Zeit in Namibia und auf reisen hochlade.)

Der Nachteil, wenn man sich so weit von seinem Bus wegbewegt ist übrigens, dass man länger braucht, um wieder zum Bus zu kommen. Einen kleinen Sprint später sind wir wieder im Bus, der schon losgefahren ist, aber zum Glück durch die anderen Autos ein wenig länger braucht, um vom Parkplatz zu kommen.

Das Ticket wird am nächsten Tag natürlich weiterhin maximal ausgenutzt. Das bedeutet: eine Bootstour. Nachdem wir das Boot “ausbalanciert” haben (wir sind nur 4 Gäste, und saßen auf der gleichen Seite), geht es schon los ins Elizabeth and Alfred-Becken. So wirklich spannend ist die Tour nicht. Wir kommen bei ein paar Fischerhallen, einem Luxushotel und einem sehr modernen neuem Hochhaus vorbei. Es war also ein wenig so wie in Hamburg die Elbe zu überqueren. In Kapstadt riecht das Boot aber nicht nach Fisch.

Gelohnt hat sich die Tour aber auf jeden Fall, alleine für das folgende Foto:

Der Hintergrund dieses Fotos ist ein Haus.Und, dass Kapstadt ein großes Problem mit der Wasserversorgung der Bewohner hat. Jahrelang hatte man Kapstadt mit Wasser aus einem Damm auf dem Tafelberg versorgt. Die Stadt wuchs weiter, der Damm nun mal aber nicht. Dementsprechend bekamen die Einwohner eine Zeit lang nur bestimmte tägliche Rationen Wasser zugeteilt. Den Touristen wird das ein wenig vorbehalten, wahrscheinlich weil der Tourismus so eine große Einnahmequelle ist. Wir lesen nur zum Beispiel in unserem Bad den Spruch: “If it’s yellow, let it mellow. If it’s brown, flush it down.” (Wenn es gelb ist, lass es müffeln, wenn es braun ist, spül es runter.)

Wo wir jetzt schon bei allgegenwärtigen Problemen in Kapstadt sind, kann ich auch auf ein weiteres Problem überleiten, dass aber nicht nur in Kapstadt, sondern im ganzen Land vertreten ist. 

Bevor Nelson Mandela Präsident von Südafrika wurde, regierte eine ausschließlich weiße Partei, die die Apartheitspolitik einführten und durchsetzten. Die schwarzen Einwohner (die Mehrheit der Bevölkerung) waren nicht wahlberechtigt. Apartheitspolitik bedeutet, dass Wohnbezirke gibt, in denen Schwarze nicht wohnen dürfen. Sie dürfen diese Bezirke nur mit spezieller Arbeitsgenehmigung betreten. Das diese “schwarzen” und “weißen” Wohnbezirke ungleich aussehen liegt dabei wohl auf der Hand. Der meiste Reichtum lag und liegt in Südafrika bei Weißen. Townships wie Soweto gründeten sich, damit schwarze Arbeiter zum Arbeiten in die Gebiete kommen können, in denen sie selber nicht mehr leben dürfen. Ein solches Gebiet in Kapstadt ist der “District 6”, welches irgendwann in der Apartheid für “weiß” erklärt wurde. Mehrere tausend nicht-weiße Anwohner wurden daraufhin in Townships vor Kapstadt umgesiedelt, man kann auch ruhig sagen, sie wurden vertrieben. Viele dieser Hütten wurden anschließend zerstört, da dort Wohnraum für Weiße errichtet werden sollte. Dies geschah nicht und bis heute sind sich die Politiker nicht einig, was man mit diesem kahlen Stück historischem Land jetzt anfangen soll.

Leider ist aber ein kahles Stück Land mitten in Kapstadt nich die einzige Folge dieser Apartheidspolitik. Offiziell ist eine Rassentrennung ja mittlerweile verboten. Nelson Mandela setzte sich zu Lebzeiten intensiv für die Versöhnung aller Bürger Südafrikas ein, nur gerade diese Versöhnung scheint heutzutage an vielen Stellen zu fehlen. Ich werde in dem nächsten Beitrag ein wenig mehr über Erlebnisse diesbezüglich berichten, die mich schlichtweg erstaunt haben. Das ist ein sehr großes Thema und ich werde es im nächsten Beitrag nochmal ausführlicher bearbeiten.

Jetzt soll es aber um unseren letzten Tag und unsere letzte Nacht in Kapstadt gehen. Unser Plan war es ja von Anfang an, von Kapstadt nach Port Elizabeth zu reisen und von da aus mit anderen Freunden einen Roadtrip zurück nach Kapstadt zu machen. Da wir das aber erst in Kapstadt planen und uns einen Reisebus buchen, der uns dann nach Mossel Bay bringen soll(dazu im nächsten beitrag mehr), müssen wir eine Nacht länger in Kapstadt bleiben. Diese letzte Nachtdürfen wir netterweise in einem Appartment verbringen, in dem Ida mit einer Freundin wohnt. Da es während unseres Aufenthaltes immer ziemlich windig und wolkig war haben wir bis zum letzten Tag keine Wanderung auf den Tafelberg gemacht. (Es war so windig, dass ich Mitten in der NAcht aufgewacht bin, und dachte, unsere Scheibe zersplittert gleich, weil diese so stark nach innen gebogen war… Außerdem pfeifte es immer schrecklich durch unsere Wohnung..)

Am letzten Tag haben wir dann aber gutes Wetter und mit dem Gedanken “Wir können ja jetzt nicht aus Kapstadt abhauen, ohne auf dem Tafelberg gewesen zu sein” hole ich mir einen leichten Sonnebrand. Hochgondeln kam natürlich nicht in Frage, so nehmen wir den “kürzesten” Wanderweg. Lasst euch eins gesagt sein, wenn man auf einen Berg geht, gibt’s nicht so wirklich einen längeren oder kürzeren, nur einen sehr steilen oder eher flachen… Da wir den “kürzesten” Weg nehmen wollen, gehen wir zweieinhalb Stunden in der Sonne bergauf. Auf dem Weg runter haben wir uns dann die Gondel genehmigt.

Abends heißt es dann, mit Ida nochmal feiern gehen und die restliche Nacht auf dem Kunstrasen auf dem Balkon des Apartments schlafen (war tatsächlich ziemlich gemütlich). Um 4:30 geht es los zum Bus…

Weiter geht’s im nächsten Beitrag mit:

4. Und wie genau kommen wir jetzt nach Port Elizabeth?

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